Geschichte der Bestattungen
In frühchristlicher Zeit fanden
Beerdigungen meistens außerhalb von Siedlungen statt. Durch den späteren Bau von
Kirchen, die oft am Sterbeort von Märtyrern errichtet wurden, entstand der Brauch,
die Wohlhabenderen innerhalb dieser Kirchen, zunächst im Altarraum, dann in der
gesamten Kirche zu bestatten. Den Toten sollten in Verbindung mit besonderen
Reliquien im Altar und durch die Nähe zu den Märtyrern Fürbitten im Jenseits
erleichert werden. Der Ausspruch: "der ist stinkreich!" ist schon sehr
alt und stammt von der Geruchsentwicklung beim Verwesen der Leiche in der Erde des
Kirchenraumes. Die Kirchen waren natürlich relativ schnell belegt und es mußte auf
den KIRCHHOF ausgewichen werden. Der Kirchhof diente nicht nur der Errichtung von
Gräbern sondern war auch Zufluchts- und Verteidigungsstätte bei Krieg oder
Überfällen. Gemeinsam mit der Kraft des Geistes der Verstorbenen sollten die
Angreifer in die Flucht geschlagen werden. Der Kirchhof, umfaßt von einer
Kirchmauer, bildete zusammen mit der Kirche den Mittelpunkt des gesamten
dörflich-städtischen und christlichen Lebens: Taufe, Heirat und schließlich
Beerdigung fanden hier neben den regelmäßigen Kirchgängen als gesellschaftliche
Ereignisse statt.
Der FRIEDHOF entstand durch den
steigenden Einfluß des Staates in kirchlichen Angelegenheiten. Einhergehend mit
dem allgemeinen Machtverlust der Kirche verbot z.B. das preußische "Allgemeine
Landrecht" im Jahre 1794 das Beerdigen in Kirchen und bewohnten Gegenden.
Wegen der vorherrschenden Windrichtungen, die die "giftigen" Dämpfe nicht
ins Stadtgebiet treiben sollten, entstanden die Friedhöfe zunächst im Süden der
Städte. Taufe und Hochzeit verblieben der Kirche. Die Beerdigung vollzog sich -
als letzter Augenblick im beendeten Leben - getrennt auf dem Friedhof, umrahmt von
einer Friedhofsmauer und einer Kapelle. Innen entlang an der Friedhofsmauer
entstanden meist die Familien-Erbgräber, in der Mitte des Friedhofes die
Reihengräber, die auch einen Überblick über die Anzahl und Folge der Bestattungen,
Ruhefristen und Verwesungszeiten gewährleisteten. Durch Bepflanzungen entstanden
garten- und parkähnliche Anlagen.